Friday, June 04, 2010

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(bezieht sich auf meinen Artikel über Mißbrauch in Philibuster...)
R. L.

Ein sehr guter Artikel mit interessanten Beobachtungen. Ich gehe jedoch
nicht konform mit der Ansicht, dass Menschen, die Gewalt erlitten haben,
diese wieder weitergeben. TrÀfe dies zu, wÌrde Gewalt exponentiell
wachsen und die Menschheit wÀre binnen Generationen nur noch ein
Konglomerat aus Gewalt.


Dennoch gibt es einen tieferen Zusammenhang zwischen der UnterdrÃŒckung
körperlicher Lust und Gewalt. Den zeigt der Neuropsychologe James W.
Prescott in seiner Forschungsarbeit "Körperliche Lust und die
UrsprÌnge der GewalttÀtigkeit" auf. Er untersuchte kulturÌbergreifend
den Zusammenhang zwischen körperlicher Zuwendung zu Kindern -
vornehmlich durch Hautkontakt - und Gewalt. In 36 der 49 untersuchten
Kulturen zeigte sich ein Zusammenhang: viel Hautkontakt mit Kindern
korrelierte signifikant mit geringer bis nicht vorhandener Gewalt. Von
den 13 Ausrei�ern zeichneten sich aber 12 durch restriktive voreheliche
SexualitÀt aus. Prescotts Schlussfolgerung lautete: intensiver
Hautkontakt mit Kindern vermindert Gewalt. Dieser positive Effekt kann
aber durch eine sexualfeindliche Einstellung im Jugendalter zunichte
gemacht werden.


Dazu passt eine andere frappierende Beobachtung: Anfang des 20.
Jahrhunderts fiel ein durch Ordens-Schwestern geleitetes Waisenhaus in
den USA durch ein wahres Massensterben dort "abgegebener" SÀuglinge
auf. Eine Untersuchungskommission konnte zunÀchst keinen erkennbaren
Grund festellten: die SÀuglinge waren wohlgenÀhrt und bestens
versorgt. Es fiel jedoch auf, dass die Schwestern nahezu keinen
Körperkontakt mit den SÀuglingen pflegten. Daraufhin wurde den
SÀuglingen mehr Körperkontakt zuteil und das Sterben endete. Dies ist
ein starker Hinweis darauf, dass intimer Körperkontakt zumindest fÌr
SÀuglinge essentiell ist. Eine frappierende Erkenntnis.


Die Studie von Prescott erklÀrt auch heute noch viele PhÀnomene. In
den durch PrÌderie verkrusteten USA findet jeder Körperkontakt mit
Kindern unter dem Damokles-Schwert des Vorwurfs des sexuellen
Missbrauchs statt. Körperkontakt mit Kindern ist dort nahezu
ausgestorben - die GewaltkriminalitÀt hat einen Spitzenplatz in
westlichen Gesellschaften.


Leidtragende sind ÃŒbrigens Kinder, deren BedÃŒrfnisse von Erwachsenen
aufgrund ihrer Sexualphobien negiert werden. Diese Phobien sind
pathologisch wie ein Kommentar hier deutlich zeigte: Gewalt sei bei
intimen Körperkontakten mit Kindern zwar nicht wichtig aber dennoch sei
das eine Gewalttat. Welch ein verworrener Geist kann in zwei
aufeinanderfolgenden SÀtzen sich selbst widersprechen und den
Widerspruch nicht einmal erkennen? Aus diesem Grund lehne ich den
Begriff Missbrauchshysterie ab. Er ist euphemistisch. Angesichts solcher
offensichtlicher kognitiver Verzerrungen wÀre "Wahn" der adquate Begriff.